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Hintergrund: Die Nazi-Szene
von Bremen-Nord bis Schwanewede.
In Bremen-Nord und Umgebung wimmelt es nur so. Die Zahl von organisierten Nazis und "rechten Jugendlichen" wächst und in den letzten Jahren treten sie immer mehr in Erscheinung.
Die wichtigsten Gruppierungen in der Naziszene rund um Bremen sind momentan die NPD, ("Nationaldemokratische Partei Deutschlands") mit ihrer Jugendorganisation JN ("Junge Nationaldemokraten") sowie die "Freien Kameradschaften&", die sich auch als "Nationaler Widerstand" bezeichnen und in kleineren Gruppen organisiert sind.
Wrieden und die NPD
Jörg Wrieden ist schon seit mehr als 20 Jahren ein Drahtzieher der Norder Nazi-Szene. Er wohnt in der Lüssumer Heide in Blumenthal. Er war in den Strukturen der Freien Kameradschaften aktiv, bis er 1999 zum Landesvorsitzenden der NPD gewählt wurde. Wrieden verfügt über gute Kontakte zu anderen führenden Neonazis im norddeutschen Raum, zum Beispiel zu Christian Worch. Allein in seiner Person sind NPD und Freie Kameradschaften vereint. Als die Polizei im Dezember letzten Jahres seine Wohnung durchsuchte, wurden Propagandamaterial und Waffen beschlagnahmt.

Nazi-Hetzer Wrieden bei der Arbeit
Eine "bombige" Kameradschaft...
Bremen-Nord hat eine eigene Kameradschaft, die erst kürzlich Schlagzeilen machte: Auch von den Medien viel beachtet wurde eine Hausdurchsuchung Ende Oktober 2000 bei einem Mitglied der Kameradschaft Bremen-Nord. In seiner Wohnung in Vegesack wurden Sprengstoff und Materialien zum Bau von Rohrbomben gefunden. Vermutetes Anschlagsziel war ein Asylbewerberheim oder der Hochhauskomplex "Grohner Düne". Nachdem Polizei und Politiker sofort ihre beliebte These vom "Einzeltäter" auspackten, wurde noch eine zweite Person festgenommen. Es kristallisierte sich heraus, dass beide in der Kameradschaft Bremen-Nord organisiert waren und gute Kontakte zur NPD hatten. Auch der zweite Einzeltäter, Marcel Schürer, stand definitiv in Verbindung mit Wrieden.
Von Lübke wurde im Februar dieses Jahres zu 3 Jahren Haft wegen geplanten Sprengstoffanschlags auf eine Flüchtlingsunterkunft verurteilt. Schürer kam mit 1 1/2 Jahren auf Bewährung (und der etwas skurrilen Auflage, zu seinem Vater in den Osten zu ziehen, um dort vom Rechtsextremismus loszukommen) davon. Es kann vermutet werden, dass noch mehr "Einzeltäter" mit von der Partie waren, da die Vorbereitung eines Sprengstoffanschlages nicht unbedingt eine Ein-Mann-Aktion ist und die Verbindungen zur Kameradschaft offensichtlich sind.
Zum Beispiel: wo sie sich treffen, was sie machen
In den vergangenen Jahren gab es mehrere Nazikonzerte und -feiern an verschiedenen Orten, zum Beispiel in der Schützenhalle in Farge oder auch im dortigen Jugendzentrum. Es gibt diverse Treffpunkte, an denen immer wieder Nazis rumhängen, ob in Blumenthal oder in Schwanewede. Hier ist die Präsenz von Nazicliquen alltäglich geworden.
Die gesamte Region ist als eines der Hauptaktionsfelder der niedersächsischen JN/NPD zu sehen, als Zentrale, von der aus dann der gesamte Landkreis (Richtung Osterholz-Scharmbeck, Bremerhaven, ...) bearbeitet wird: Nazischmierereien und Plakatieraktionen sind an der Tagesordnung. Gleichzeitig ist hier neben dem Bremer Süden (Weyhe) der zweite Schwerpunkt im Bremer Raum.
- Am 23.5.99 gab es einen Aufmarsch von 80 Nazis in Blumenthal, begleitet von massiven Protesten.
- Anlässlich des Hitlergeburtstages und des Rudolf Heß-Todestages versuchten Nazis jeweils in Schwanewede aufzumarschieren.
- Bei einem Diskussionstag im Gustav-Heinemann-Bürgerhaus in Vegesack erschienen Nazis mitsamt ihren Sozialarbeitern, um frei nach dem Motto "keine Diskussion über Nazis ohne Nazis" die Veranstaltungen zu stören.
- Bei einem Fest am gleichen Abend traten sie so massiv im Umfeld auf, dass es schließlich abgesagt wurde. Mit dabei: Florian Cordes, Vorsitzender des niedersächsischen Landesverbandes der Jungen Nationaldemokraten, sowie einige Mitglieder der örtlichen Kameradschaft wie zum Beispiel Greul aus Blumenthal.
- Ähnliches bei einer antifaschistischen Veranstaltung im Jugendzentrum Farge. Auch hier fuhren Nazis vor, was dazu führte, dass eine zweite Veranstaltung abgesagt wurde.
...und wen stören die Nazis?
Die Nazicliquen werden nicht wahrgenommen, fast niemand scheint sich daran zu stören, wenn sie ihre Hetzparolen plakatieren und schmieren, Leute bedrängen und sich ins Stadtbild mehr und mehr hineindrängen.
Dabei sind, ob am Bunker Valentin oder Mahnmal Bahrsplate die Stätten, die die Verbrechen des Nationalsozialismus vor Augen führen, zahlreich. Doch scheinen sie wenig Wirkung zu besitzen - selbst wenn sie mit Hakenkreuzschmierereien besudelt werden, wird so gut wie gar nichts gesagt oder getan.
Nazis werden als "rechte Jugendliche" verharmlost, ihre faschistische Ideologie in die Normalität gehievt. Treiben es die Nazis dann doch mal zu weit, wird wie in Schwanewede nach der Akzeptierenden Jugendarbeit als Lösungsmöglichkeit gerufen. Nach dem Motto: Es sind doch alles nur "desorientierte Jugendliche", die ein bißchen Betreuung brauchen. Übersehen wird dabei, dass so mancher Nazikader aus betreuten Projekten hervorgegangen ist, und die Projekte dann gleich zum Anwerben nutzt. Übersehen wird dabei der politische Hintergrund der "rechten Jugend". Da stellt sich doch die Frage, warum dies angesichts der hier vorgelegten Fakten für Bremen-Nord oder Schwanewede die Lösung sein sollte.
Alle die doch was dagegen haben rufen wir auf, antifaschistisch tätig zu werden: Aufkleber abreißen - Plakate genauso - eigene kulturelle und politische Initiative gegen den Nazidreck zu ergreifen (es ist schon lange Zeit, den ernst zu nehmen und nicht länger zu ignorieren!).
Es gibt viele Möglichkeiten.
Nazis aller Länder: geht uns aus der Sonne!
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