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Rückblick auf den 23. Juni 2001
von der Antifa-Infogruppe Bremen.

1 Rassist lässt 150 rassistischen Schlägern von 1500 Schlägern den Weg freimachen
Die Bremer NPD und der "Nationale Widerstand Bremen" versuchen seit 1999 in Bremen Nazi-Aufmärsche zu organisieren. Der Versuch, am 1. Mai 1999 eine bundesweite Demonstration in Bremen durchzuführen, scheiterte am Urteil der Gerichte. Am 1. Mai 99 gab es in Bremen-Sebaldsbrück eine große antifaschistische Demonstration mit über 4000 TeilnehmerInnen, von den Nazis war an diesem Tag nicht viel zu sehen. 3 Wochen später - am 23. Mai 99 - marschierten ungefähr 80 Nazis unter dem Protest von AntifaschistInnen durch Bremen-Blumenthal. Unterstützt von KameradInnen aus ganz Norddeutschland und beschützt von der Polizei konnte die damals noch wesentlich kleinere Nazi-Szene aus Bremen sich über ihren ersten regionalen Aufmarsch freuen.

Am 15. Januar 2000 erfolgte ein zweiter Aufmarsch mit etwa 100 Nazis, diesmal in Weyhe (10km südlich von Bremen). Wieder konnte der Aufmarsch stattfinden, es waren deutlich mehr junge Neonazis aus Bremen und dem Umland dabei als noch vor 8 Monaten in Bremen-Blumenthal.

Etwas länger als 13 Monate hat es gedauert, bis die regionale Naziszene erneut einen Aufmarsch anmeldete, diesmal in Bremen-Vegesack. Die Versuche, den Aufmarsch verbieten zu lassen, scheiterten. So konnten am 17. Mai 2001 über 100 Nazis auf dem Aumunder Marktplatz zusammenkommen und eine kurze Strecke marschieren. Die Bremer Polizei schien die antifaschistischen Proteste an diesem Tag unterschätzt zu haben. So gelang es vielen Menschen in das Aufmarschgebiet zu sickern, Protest zu äußern, die Straßen kurzzeitig zu blockieren und die FaschistInnen bei der Abfahrt anzugreifen. Die Tendenz, dass die Bremer Aufmärsche immer weniger von norddeutschen KameradInnen unterstützt werden, sondern von einem großen regionalen Zusammenhang gestellt werden, setzte sich in Bremen-Nord fort.

Somit war die Stimmung bei antifaschistischen Gruppen auch nicht unbedingt schlecht, als die NPD für den 19. Mai 2001 einen erneuten Aufmarsch in Vegesack anmeldete. Aus terminlichen Gründen verschob die NPD den Aufmarsch jedoch zweimal. Unter dem Motto "Arbeit für Millionen statt Profite für Millionäre" mobilisierte sie dann für den 23. Juni 2001 wieder zum Aumunder Marktplatz.

Vorbereitungen für den 23. Juni
In Bremen entstand aus verschiedenen linksradikalen Gruppen ein Bündnis, um ein Konzept für den Tag X vorzubereiten. Parallel dazu setzte sich in Bremen-Vegesack ein Runder Tisch "Vegesack gegen Rechts" zusammen. Vom Runden Tisch ist schnell berichtet: die VertreterInnen von Parteien (außer der CDU), Kirchen, DGB und Vereinen haben nie in Erwägung gezogen, wirklich etwas gegen den Aufmarsch zu unternehmen. Stattdessen wurde auf den Treffen über Autonome und "gewalttätige AntifaschistInnen" geredet, und wie diese am besten zu isolieren wären. Nebenbei wurde noch ein "Rock gegen Rechts" organisiert, das möglichst viele Jugendliche am 23. Juni an einen Platz weitab des Naziaufmarsches binden sollte.

Das linksradikale Bündnis diskutierte unterdessen verschiedene Möglichkeiten, Protest am 23. Juni da anzubringen, wo er hingehört: am Ort / auf der Route des Naziaufmarsches. Eine antifaschistische Demo am Tag X wurde verworfen, da die letzte am 17. März nicht effektiv war und die ganze Zeit von einer Hundertschaft Polizei eingekesselt begleitet wurde.

Der 23. Juni 2001
Bullenwagen Bremens neue Innensenator Kuno Böse hatte im Vorfeld des 23. bereits lauthals verkündet, dass er jeglichen Protest gegen den NPD-Aufmarsch im Keim ersticken lassen würde. Um dies auch umsetzten zu können orderte er 1500 PolizistInnen aus Bremen und anderen Bundesländern nach Vegesack um gemeinsam mit SEK, Hundestaffeln und Wasserwerfern für einen reibungslosen Ablauf des NPD-Aufmarsches zu sorgen. Der gesamte Einsatz kostete über eine halbe Million DM... Aus Sicht von Böse hat sich dieser Aufwand auch gelohnt.

Obwohl rund um den Aufmarsch mehrere hundert SchülerInnen, autonome AntifaschistInnen, deutsche und ausländische BürgerInnen unterwegs waren, konnten diese den Aufmarsch letztlich nicht verhindern. Unzählige Platzverweise, 28 Festnahmen (zum Teil mit ED-Behandlung) und brutale Knüppeleinsätze machten den Protest gegen den faschistischen Mob unmöglich.

Einige junge SchülerInnen, die eine kurze Sitzblockade versuchten, wurden von PolizistInnen brutal weggeknüppelt. Ein paar junge Menschen, die ein Transparent an einer Brücke befestigen wollten, wurden unter fadenscheinigen Begründungen festgenommen. Eine Sprecherin des Bündnisses autonomer Gruppen in Bremen sagte dazu: "So wie die Polizei heute den Nazis den Weg freigeknüppelt hat, müssen wir leider mit weiteren Naziaufmärschen in Bremen rechnen. Das Polizeikonzept ist doch eine klare Einladung an alle Rechten bundesweit, kommt nach Bremen, dort könnt ihr ungestört demonstrieren."

Auf dem "Rock gegen Rechts" waren zeitgleich Reden und verschiedene Musikbeiträge zu hören. Allerdings schien das nur wenige Menschen wirklich zu interessieren, es waren dort zeitweise nur um die 100 Menschen anwesend.

Vom NPD-Aufmarsch bleibt zu berichten, dass die Nazis eine reibungslose An- und Abfahrt hatten. Viele PKW kamen aus Bremen, Bremen-Nord und dem Umland. Die Unterstützung von norddeutschen KameradInnen war so gering wie noch nie, was auf eine weitere Erstarkung der Bremer Szene hinweist.

Bullenkette Vorne begleitet von SEK-Einheiten mit Sturmhauben, Hundertschaften an den Seiten und einem Wasserwerfer im Rücken zogen die 100-150 Nazis eine Stunde lang durch Aumund/Hammersbeck. Es wurden verbotene Parolen gerufen, Reichskriegsflaggen geschwenkt und die Solidarität mit den Großvätern aus der Waffen-SS bekundet. Neben unbekannten Märschen wurden Lieder wie "Yankees raus" von Slime, "Es geht voran" von den Fehlfarben und das Lied: "Oh du schöner Westerwald" gespielt.

Nach der Abfahrt aus Bremen-Nord waren einige der NPD-lerInnen von ihrem Aufmarscherfolg wohl so verzückt, dass sie mit wehenden NPD-Flaggen im Citybereich und rund um die Bürgerweide umherfuhren. Anschließend fuhren viele der Nazis nach Kirchseelte. Dort fand auf dem Gelände von Robert Warnecke ein "Liederabend" statt. Im Laufe des Abends reisten noch weitere FaschistInnen aus ganz Norddeutschland an.

Und jetzt?
Gespannt dürfen wir darauf sein, wo die Bremer Nazi-Szene ihren nächsten Aufmarsch anmeldet. Unabhängig davon werden sie weiter versuchen, ihre Strukturen und Kommunikation auszubauen und weitere Kameradschaften aufzubauen.

Ob Herr Böse und seine Polizei ihr Konzept von "Null Toleranz" noch ein weiteres Mal durchziehen können, wird sich ebenfalls beim nächsten Aufmarsch zeigen. Während er und andere auf das NPD-Verbot warten, ziehen die braunen RattenfängerInnen weiter durch Bremen und Umlandgemeinden und werben neue MitläuferInnen. Davon scheint es in Bremen einige zu geben - manche würden sogar Bomben legen, um unliebsame GegnerInnen auszulöschen.
Soweit darf und wird es nicht kommen!

Deshalb gilt auch in Zukunft:
Keine Stadt, keine Route, keine Ruhe den Nazis!

Antifaschistische Infogruppe Bremen



 
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Diese Seite wurde zuletzt geändert am: 16.09.2003
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