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"Kriminelle Elemente" Mal drüber nachdenken. über Straftaten von "Ausländern" wird anders berichtet als über Delikte deutscher Täter Journalismus ist der Wirklichkeit verpflichtet. Straftaten sollen weder verschwiegen noch entschuldigt werden, nur weil sie von Einwanderern oder Flüchtlingen begangen worden sind. Und dennoch ist die oben genannte Sichtweise nicht sakrosankt. Im Gegenteil: Der Kontext, in den hinein Artikel verfasst werden, gehört mit zur gesellschaftlichen Wirklichkeit. Journalistinnen und Journalisten sollten diesen Kontext in ihrer Berichterstattung nicht ausblenden. Mit Angst verbunden Das ist deshalb so brisant, weil Kriminalität als solche, also auch die, in die "Einheimische" verwickelt sind, als bedrohlich empfunden wird. Berichte über Kriminalität können in hohem Maße Ängste schüren und damit ein Klima der Verunsicherung herstellen. Und wenn sich Kriminalität und Ausländer wie etwa im Begriff "Ausländerkriminalität" diskursiv verschränken, werden solche bedrohlichen Aspekte auch auf das Thema "Einwanderung" ausgedehnt. Wie berichten die Printmedien über Kriminalität? Werden Straftaten von Migranten auf eine andere Art und Weise dargestellt als die Delikte von Deutschen? Wie lässt sich eine diskriminierende Berichterstattung vermeiden? Diese Fragestellungen standen im Zentrum eines Projekts am Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung (DISS), bei dem die Berichterstattung über kriminelle Delikte untersucht wurde. Zunächst ist festzuhalten, dass etwa die Hälfte der erfassten Artikel Markierungen enthält, aus denen die nationale Zugehörigkeit oder die Herkunft der Täter hervorgeht. Das verweist auf ein hohes Maß an sprachlicher Verschränkung von Kriminalität und Ausländern. Aber es zeigt andererseits, dass ein großer Teil der Berichterstatter offenbar darauf verzichtet, die Nationalität des Täters zu nennen. Frage nach Motiven Vielfach bemühen sich die Berichterstatter, Beweggründe und Motive der Täter zu hinterfragen. Dies hat den Effekt, dass der Normenverstoß als nicht endgültig begriffen wird: Die Perspektive von Resozialisierung ist nicht ausgeschlossen. Allein für Sexualstraftäter und für Rechtsextreme wird solches Verständnis nicht aufgebracht. Diese Straftäter werden als krank und anormal aus der Gesellschaft ausgegliedert. Im Unterschied dazu fällt die Berichterstattung über ausländische Straftäter deutlich negativer aus: Der Hinweis auf ihren Ausländer-Status erfolgt entweder direkt über die Nennung der Nationalität und/oder Herkunft oder über eine Beschreibung des Aussehens (zum Beispiel: "südländischer Typ"). Bisweilen sind auch die mangelnden deutschen Sprachkenntnisse erwähnt ("der Täter sprach nur gebrochen deutsch"). Auch ausländisch klingende Namen tauchen in den Berichten auf. Die Straftaten werden meist als brutaler und gefährlicher dargestellt als die deutscher Täter. Außerdem werden ausländische Straftäter oftmals bezichtigt, das deutsche Sozialsystem zu missbrauchen. Im Unterschied zu deutschen Tätern erhalten sie nur selten eine Stimme - etwa über wörtliche Zitate. Es wird wenig(er) über ihre Beweggründe berichtet. In aller Regel übernimmt der Autor die Perspektive des Gerichts und der Polizei. Brutal und gefährlich Vor allem Boulevard-Zeitungen legen gerne nahe, dass die begangenen Delikte in Zusammenhang mit binationalen Partnerschaften entstünden. Auf diese Weise rücken sie solche Lebensgemeinschaften in die Nähe krimineller Delikte. Katalog voller Delikte Mit so genannter Organisierter Kriminalität werden Ausländer ebenfalls häufig in Verbindung gebracht - oft findet man die Koppelung mit Drogen-, Schmuggel- und Bandenkriminalität. So entsteht der Eindruck, von Ausländern gehe eine besondere Gefährdung der deutschen Gesellschaft aus. Dies bestärkt die Forderung, dass die Grenzen geschlossen werden müssen, um ein mögliches Eindringen weiterer Straftäter zu verhindern. Vor dem Hintergrund der Debatte um die Innere Sicherheit und die so genannte Ausländerkriminalität ruft eine solche Darstellung aber auch die Forderung nach schärferen Ausweisebestimmungen hervor. Journalismus ist der Wirklichkeit verpflichtet. Aber wer über Straftaten von Ausländern berichtet, muss den gesellschaftlichen Kontext berücksichtigen. Denn die Berichterstattung trifft auf einen Wissenshorizont, der seit einigen Jahren zunehmend rassistisch aufgeladen ist. Ein sensibler Umgang mit dem Themenkomplex ist daher gefragt. Es geht nicht darum, Ausländer als ohne Fehl und Tadel darzustellen. Es geht darum, über Straftaten, die in einem ursächlichen Zusammenhang mit Herkunft, Sitten und Gewohnheiten stehen, so zu berichten, dass der herrschende Rassismus nicht verstärkt wird. Das ist nicht immer einfach, sollte aber für engagierte Journalistinnen und Journalisten eine Herausforderung sein. Zum Beispiel Bremen Unter anderem begründeten die Betroffen ihre Strafanzeige damit, dass durch diese Angriffe gegen eine ethnische Minorität die "kulturelle Identität dieser Gruppe in Abrede gestellt" werde. Die Ermittlungsergebnisse einer Sonderkommission der Bremer Kripo, die den "Asyl-Skandal" ins Rollen gebracht hatten, werden inzwischen sogar von den Gerichten angezweifelt. |
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