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Das Bremer-Land von Rechts bis Rechtsextrem Ein aktueller Überblick über die Situation hier vor Ort. Inhalt 1. Allgemeine Entwicklung des NS-Spektrums Nach den Verboten von z.B. der FAP ("Freiheitliche Deutsche Arbeiterpartei"), der NF ("Nationalistische Front"), der DA ("Deutsche Alternative") oder der "Wiking-Jugend" Anfang der Neunziger orientierten sich viele Mitglieder und Kader der verbotenen Organisationen und Parteien in die Richtung der NPD (Nationaldemokratische Partei Deutschlands). Diese hatte durch ihren damaligen Vorsitzenden Günther Deckert die Türen für Neonazis und FaschistInnen aus dem extremistischen und militanten Spektrum geöffnet und mit NS-Positionen die Attraktivität der Partei für diesen Personenkreis gesteigert. Unter dem nächsten Vorsitzenden Udo Voigt wurde dieses Konzept weiter ausgebaut. Aus einer überalteten Wahlpartei entwickelte sich die NPD zu einer "Kampf- und Kaderpartei" für das gesamte Nazispektrum. Die Jugendorganisation JN (Junge Nationaldemokraten) arbeitete parallel mit an diesem Konzept, wobei ihr Hauptaugenmerk darauf lag, neue Kader auszubilden und ihre Mitglieder auf den "Kampf" vorzubereiten. Zeitgleich entwickelte sich auch die Struktur der "Freien Kameradschaften" bzw. der "Freien Nationalisten". Diese Struktur will unabhängig von Parteien als revolutionäre Speerspitze des militanten Faschismus gesehen werden. Mit eigenen Strukturen, Medien, Treffen, Konzerten und Aufmärschen können sie für ihre Anhängerschaft attraktiver und radikaler agieren als die NPD. Bundesweit wirken diese Kräfte zersplittert, bei näherer Betrachtung gibt es aber ein regelrechtes Netzwerk mit Verbindungen und Vernetzungen in alle Richtungen. Hier wie in anderen Teilen der BRD werden die alten Strukturen und Organisationsmodelle der GdNF ("Gesinnungsgemeinschaft der Neuen Front") Michael Kühnens bzw. der illegalen NSDAP fortgeführt. Im Norden (Bremen, Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern) haben sich Kameradschaften im "Nationalen und Sozialen Aktionsbündnis Norddeutschland" (NSAB) zusammengeschlossen. Von Anfang an gab es zwischen den Führungszirkeln der NPD/JN und denen der "Freien Kräfte" erhebliche Auseinandersetzungen über die Führungsrolle innerhalb des Neonazispektrums. Im Norden werden die Aktivitäten eindeutig von den "Freien" dominiert - die NPD/JN wird allenfalls als Hilfsmittel und Plattform benutzt. Trotzdem haben die Rechten kein Interesse daran, sich gegenseitig das Leben allzu schwer zu machen. Vielmehr koordinieren sie ihre Aktionen gemeinsam, unterstützen die Aktionen der anderen und sind gut untereinander vernetzt. 2. Die Bremer Nazi-Szene nach der Verbotswelle Anfang der Neunziger Nach parteiinternen Querelen auf Bundesebene (der Bremer Privenau wurde als Herausgeber des JN-Bundesorgans "Einheit und Kampf" wegen NS-Kurses abgesetzt) kam es Ende 1997 zur Auflösung des Landesverbandes und zur Gründung der "Kameradschaft Bremen" bzw. den "Freien Nationalisten Bremen". Diese sind nach wie vor eine der bedeutendsten Gruppierungen im Bremer Raum. Die Bremer Kerngruppe besteht aus ungefähr 5-10 Nazis (Andreas Hackmann, Christian Hamer, Simon Lahusen, Hans-Joachim Varnhorn, Alexander Backes, Axel Gemp u.a.). Desweiteren existieren in Bremen und dem Umland viele Kameradschaften und Gruppen. Dazu gehören z.B. die "Kameradschaft Bremen-Nord/Schwanewede", der "Kameradschaftsbund Bremerhaven", die "Snevern Jungs" aus Schneverdingen, der "Rotenburger Widerstand", die "Freien Nationalisten Achim", die "Kameradschaft Weyhe", die "Kameradschaft Wildeshausen", die Bremer Kameradschaften "Hanseatic", "Wesersturm" und "Wiking", sowie kleinere meist namenlose Zusammenschlüsse. Unter diesem gesamten Netzwerk gibt es Austausch und Koordinierung. Zum Teil sind die Aktivisten auch NPD/JN-Mitglieder und unterstützen die dortige legale Propagandaarbeit (z.B. Infotische und -Veranstaltungen, Flugblatt- und Plakatieraktionen). Ansonsten werden in verschiedenen bzw. wechselnden Zusammenschlüssen Aufmärsche, Konzerte, Veranstaltungen und Schulungen im gesamten norddeutschen Raum durchgeführt. 3. Die NPD/JN in Bremen und Umzu Mittlerweile wurde er durch ehemalige AktivistInnen aus verbotenen Organisationen und jungen Nazis übernommen, dabei arbeiten sie eng mit den NPD/JN-Gruppen und "Stützpunkten" im Bremer Umland zusammen. Nach mehreren Jahren minimaler Rumkrebserei scheint die Bremer NPD langsam wieder in die Pötte zu kommen, die Mitgliederzahlen steigen, mehrere ehemalige Kader sind wieder eingetreten, örtliche Kameradschaften lassen sich in Parteiaktivitäten einbinden und eine JN-Gruppe ist neu gegründet worden. Angeführt wird der Landesverband von Horst Görmann und seinem Stellvertreter Sven Buttgereit (beide aus Bremerhaven), der Kreisverband Bremen-Stadt wird von Jörg Wrieden und seinem Stellvertreter Lutz Henze (beide Bremen-Nord) angeleitet. Im Bremer Umland ist besonders der NPD-Kreisbereich Verden aktiv. Auch in anderen Landkreisen gibt es zunehmende Aktivitäten der NPD und JN, die oft eng mit örtlichen Nazicliquen und Kameradschaften zusammenarbeiten. Insgesamt hat sich im Bremer Raum eine recht aktive NPD/JN-Szene entwickelt, die auch auf vielen überregionalen Aktionen und Aufmärschen zu finden ist. Wie in ganz Niedersachsen versucht die NPD/JN nach dem gescheiterten Verbotsverfahren 2003 wieder in die Offensive zu kommen, neue - vor allem junge - Mitglieder zu gewinnen, Strukturen zu reaktivieren und vermehrt öffentlich aufzutreten. Damit verbunden ist ein Anstieg von Gewalttaten gegen politisch Andersdenkende und Nicht-Deutsche (aktuelles Beispiel dafür: die Region Verden/Rotenburg).
4. "Anti-Antifa"
5. Nazizentren Das wohl bekannteste ist der "Heisenhof" bei Dörverden (südlich von Verden), 2004 vom Hamburger Rechtsanwalt Jürgen Rieger als riesiges ehemaliges Bundeswehrareal mit mehreren Gebäuden gekauft. Die auf dem Gelände wohnenden örtlichen JN/NPD-Mitglieder nutzen die Örtlichkeiten für Treffen, Schulungen, Wehrsportaktivitäten etc. Außerdem werden in den Garagen NPD-Materialien und Riegers Wehrmachtsfahrzeugssammlung untergebracht. Eine großangelegte, permanente Nutzung wie in Riegers ehemaligem Zentrum in Hetendorf ist zwar angestrebt, aber derzeit nicht durchsetzbar. Trotzdem ist es ein nicht unwichtiger struktureller Stützpunkt.
Eine weitere NPD-Lokalität, die sogenannte "NPD-Scheune", befindet sich in Bargstedt bei Stade. Hier unterhält der NPD-Funktionär Adolf Dammann ein kleines Schulungszentrum, das oft und regelmäßig genutzt wird.
Daneben wäre noch der "Auehof" bei Kirchdorf (südlich von Sulingen) zu nennen. Dieser große Hof wurde vom "Auehof-Verein" gekauft. Die Mitglieder des Vereins, die auch auf dem Areal leben, bezeichnen sich, bzw. den Hof als "Heimstätte der Kultur- und Brauchtumspflege". Sie betreiben auf dem Gelände eine Schmiede und fröhnen dem "Germanen-Kult". Bei Sonnenwendfeiern und ähnlichen Anlässen treffen sich dort Alt- und Neonazis. 6. Nazi-Rock und Boneheads Während um 2001/2002 noch mehrere "erfolgreiche" Konzerte im Bremer Raum mit z.T. vielen hunderten TeilnehmerInnen gegeben hatte, sind in den letzten Jahren die meisten Versuche durch Unfähigkeit, Polizei oder Antifa vereitelt worden. Diese Events wurden sowohl von den Bremer Nazis sind nicht unerheblich an der Produktion und dem Vertrieb von "Rechts-Rock" beteiligt, z.B. spielen viele Bands ihre CDs im "Art Of Sounds"-Studio in Schwarme ein. Auch an dem bundesweiten Vertrieb der "Schulhof-CD" waren Bremer beteiligt, bei dem Wohl der älteste und bedeutendste Kern der Bremer Naziskinszene ist die
Desweiteren gab es im Bremer Raum auch eine Gruppe der weltweiten "Blood&Honour"-Organisation. Diese wurde im Jahre 2000 verboten, viele ihrer Aktivisten sind nach wie vor im Rechtsrock-Geschäft aktiv, so auch der Bremer Anführer Henrik "Ossi" Ostendorf. Ferner gibt es in der Region noch weitere Bands und Projekte, deren Kontinuität und Produktivität recht unterschiedlich ist: "Hetzjagd" - eine Band aus der 7. Nazi-Hooligans Mehrere führende Hooligans (Henrik Ostendorf, Andre Sagemann) lassen sich zwar eindeutig als Nazis bezeichnen, trotzdem ist die Hool-Szene insgesamt nicht faschistisch orientiert. Ein nicht geringer Teil des Bremer Nazi-Nachwuchses kommt allerdings aus der Fan-Szene.
Die Politisierung und Polarisierung ist mit Sicherheit auch auf die Aktivitäten der mittlerweile aufgelösten Band "Kategorie C" zurückzuführen. "KC" war eine äußerlich unpolitische Band aus dem Bremer Raum, sie galten als DIE Hooligan-Band. Ihre Mitglieder waren in diversen Nazibands (Endstufe, Patriotic Bois, Nahkampf) aktiv, und unterhielten enge Kontakte zum Blood&Honour-Netzwerk. Der ehemalige Sänger Hannes Ostendorf singt jetzt bei "Hungrige Wölfe" einem Projekt von Mitgliedern mehrerer Nazisbands, u.a. "Tollshock".
Interessant sind in diesem Zusammenhang auch die Kontakte und Verknüpfungen von Hools, Naziskins, Rockern, Security und der "Organisierten Kriminalität". Offenbar gibt es intensive Schnittpunkte zwischen diesen Szenen. Neben den Jobs, die die Nazis als Türsteher, Security usw. ausüben können spielen natürlich auch die Kontakte selber eine große Rolle, so kann die Infrastruktur für ihre "Sache" genutzt werden, beispielsweise die Nutzung der Räume für ihre Veranstaltungen. Aber auch bei der Beschaffung von Waffen etc. könnten diese Kontakte hilfreich sein. 8. Deutsche Volksunion, Republikaner und ähnlicher rechter Parteidreck In den letzten Jahren war von dem Bremer Landesverband sowieso kaum noch was zu hören. Die Aktivitäten der REP in Bremen haben Mitte der 80er Jahre begonnen und sind von einer recht häufig wechselnden Belegschaft geprägt, der Kern ist nach wie vor sehr klein und der Landesverband zählt um die 15 Mitglieder. Seit der Bürgerschaftswahl im Mai 2003 sitzt der Landesvorsitzende Peter Pricelius im Stadtteilbeirat Walle.
9. Rechte Reste "FREIER BREMER BÜRGERKREIS" (FBB) "GEMEINSCHAFT DEUTSCHER OSTEN" (GDO) "BUND FÜR GOTTERKENNTNIS / LUDENDORFFER" "EVANGELISCHE NOTGEMEINSCHAFT IN DEUTSCHLAND" (ENID) Der "VEREIN FÜR DAS DEUTSCHTUM IM AUSLAND" (VDA) ist als Landesverband auch in Bremen ansässig. Die, die sich für Vertriebene und ihre Nachfahren halten, organisieren sich in mehreren Landsmannschaften (Pommern, Schlesiern, Ostpreußen und Sudeten) und ihrem Dachverband "BUND DER VERTRIEBENEN". Diese Verbände sind so alt wie die Geschichten die sie erzählen, ihre Aktivitäten umfassen Traditionspflege ("Königsberger Klopse") sowie politische und kulturelle Veranstaltungen zur Vertriebenenthematik, einerseits. Andererseits reichen ihre Kontakte bis in höchste Regierungskreise und ihr Einfluss auf die deutsche Ostpolitik ist nicht zu unterschätzen. 10. Resümee Dementsprechend ist es natürlich gelogen, wenn Polizei, Verfassungsschutz und PolitikerInnen davon reden, in unserer Region gäbe es kein Nazi-Problem. Ein Problem mit FaschistInnen beginnt nicht erst dann, wenn Flüchtlingsunterkünfte in Flammen stehen oder Menschen zu Tode gehetzt werden. Ein Problem mit rechten und rechtextremistischen Kräften und Personen beginnt da, wo sie in die Öffentlichkeit drängen und sich Gehör verschaffen. Alle müssen sich darüber bewusst sein, dass die militanten Neonazis und Rechtsradikalinskis keine Protestbewegung des "demokratischen rechten Randes" sind, sondern das Ziel verfolgen, ein neues nationalsozialistisches Reich zu errichten - mit allen seinen Konsequenzen. Aber auch die Gesellschaft als Ganzes trägt ihren Teil dazu bei, wenn es Rechten jeglicher Couleur gelingt ihre "Politik" salonfähig zu machen. Wenn die Forderungen rechtsextremer Parteien plötzlich von den sogenannten "etablierten Parteien" übernommen werden, dann ist eine gesellschaftliche Mitschuld nicht zu leugnen. Deshalb haben wir in diesem Text auch das ganze Spektrum an rechten Gruppen, Organisationen und Parteien aufgeführt, die für den Bremer Raum relevant sind. Im Einzelnen und in der Gesamtheit ihrer Existenz besteht eine Gefahr, die nicht unterschätzt oder nicht ignoriert werden darf. Die Aktivitäten dieses Spektrums müssen immer wieder öffentlich gemacht werden, die Nazis in ihrer Arbeit immer wieder gestört und angegriffen werden, damit ihr Wirkungskreis möglichst gering bleibt. Dazu ist es wichtig zu wissen mit wem wir es zu tun haben und wie wir dagegen wirken können. Wir dürfen, können und wollen nicht warten, bis vielleicht die Politik oder irgendwelche Bullen die gefährliche Entwicklung rechtsextremer Strukturen erkennen und "offiziell" bestätigen oder ein rechter Anschlag die Öffentlichkeit aufschreckt und Presse und Politik das Problem nicht mehr unter den Teppich kehren können. Wie in der ganzen BRD sind die FaschistInnen auch in Bremen aktiv! Berichten wir darüber, organisieren Aktionen gegen sie und ihresgleichen und treten ihnen in ihre braunen Ärsche! bremen.antifa.net, Juni 2006 Wenn Ihr Informationen, Publikationen, Bilder, ... von/über Nazis habt, |
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